Liebe Forumsnutzer,

zunächst möchte ich mich bei allen Helferinnen und Helfern sehr herzlich bedanken, die meine Idee „Onlineplattform für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer“ unterstützt und ins Leben gerufen haben. Spätestens seit Beginn der Flüchtlingskrise im Sommer 2015 sind zahlreiche Initiativen und Projekte für Flüchtlinge gestartet worden. Mehr als anderthalb Jahre dient das „fluechtlingshelfer.net“ dem Gedanken- und Informationsaustausch zwischen all denjenigen, die sich für Geflüchtete engagieren und deren Integration erleichtern möchten. Ich bin der festen Meinung, dass diese Plattform auch ein Stück dazu beitragen konnte, ehrenamtliche Unterstützer zusammenzubringen und mit wichtigen und hilfreichen Informationen zu versorgen, die sie in ihrem alltäglichen Engagement für Flüchtlinge weiterverwenden und verbreiten können.

Ich freue mich sehr, dass das ehrenamtliche Engagement für Geflüchtete in Deutschland einen großen Zuspruch in der Gesellschaft gefunden hat. Auch im Internet entstanden viele neue Flüchtlingsforen.

Aufgrund dessen sind wir nach langen Überlegungen zum Schluss gekommen, die fluechtlingshelfer.net-Plattform einzustellen bzw. überzuleiten in eine andere Plattform. Natürlich gehen die ganzen Informationen, die wir zusammen mit allen Forumsnutzern gesammelt haben, nicht verloren. Sie werden auf http://www.asyl-forum.de übernommen. Dort können sie weiterhin mit anderen Helfern/Helferinnen austauschen, Fragen stellen und Antworten geben.

Ich wünsche allen Helferinnen und Helfern viel Kraft und Energie für ihr weiteres Engagement.

Herzliche Grüße
Martin Patzelt​

Hilfe?

Themen zu Schule, Weiterbildung, Einbürgerung, Arbeit, Gesundheit
schnelleelli
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Hilfe?

Beitragvon schnelleelli » 17. Feb 2016, 09:38

Hallo zusammen,
bisher sind ja in diesem Forum überwiegend Tipps und Material zur Flüchtlingshilfe gepostet worden, und ich hoffe, dass ich mit meinem Thema jetzt nicht voll daneben liege, aber ich hätte bezüglich einer konkreten Situation gerne Euren Rat bzw. würde sie gern mit Euch diskutieren:
In der Containeranlage, in der ich ehrenamtlich Deutsch unterrichte, wohnt auch ein junges kurdisches Paar aus Syrien ohne Papiere - er Anfang 20, hat in Syrien Elektrotechnik studiert und parallel Deutschkurse besucht, weshalb er bereits ausgezeichnet Deutsch sprach, als er nach Deutschland kam. Sie soll angeblich gerade 18 geworden sein (sieht aber fast noch jünger aus) und ihn vor 5 Monaten (also offenbar unmittelbar vor ihrer Flucht) geheiratet haben, spricht leider weder Englisch, noch Deutsch, nur Arabisch und Kurdisch. Als es nun um die Anmeldung zu den Sprach- und Alphabetisierungskursen ging, meinte er, seine Frau hätte das nicht nötig, er würde ihr Deutsch beibringen. Wir haben versucht, ihn mit allen Mitteln zu überzeugen, dass seine Frau ja trotzdem den (geschlechtlich gemischten) STAFF-Kurs (wir sind in Schleswig-Holstein) besuchen sollte, er könne sie ja unterstützen und sogar begleiten, doch er weigert sich strikt, sie gehen zu lassen. Mittlerweile sind über 2 Monate verstrichen und er selbst hat ihr noch kein Wort Deutsch beigebracht. Theoretisch könnten wir sie noch in der DAZ-Übergangsklasse einer Berufsbildenden Schule unterbringen (nach seinen Angaben hat sie in Syrien nur bis zur 7. Klasse eine Schule besucht), doch das kommt für ihn nicht in Frage. Seine Frau solle irgendwann mit Nähen hier ihr Geld verdienen (Gegenargumente, dass das nicht so einfach ist, lässt er nicht gelten).
Natürlich ist mir klar, dass man niemanden zum Sprachkurs oder Schulbesuch zwingen kann, aber mich beschäftigt diese ganze Sache unheimlich, da er sämtliche Entscheidungen für sie trifft und sie erheblich in ihrer Freiheit und ihren Chancen beschneidet. Ich hatte auch schon die Idee, mich über eine andere Kurdin, die sehr gut Englisch spricht, mit ihr zu unterhalten, aber er lässt sie wirklich keine Sekunde allein und schaltet sich sofort dazwischen (aufgrund einiger Begebenheiten beschleicht mich sogar das Gefühl, dass er mitunter absichtlich falsch dolmetscht).
Frage: Wie würdet ihr mit der Situation umgehen? Einfach abhaken und sich sagen, dass das eben ihr Schicksal ist? Fällt mir sehr schwer...
LG,
Elli

horst.baumgarten
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Re: Hilfe?

Beitragvon horst.baumgarten » 17. Feb 2016, 10:59

Hallo Elli,

hier handelt es sich anscheinend um ein Problem mit Menschen aus einer anderen Kultur, wo die Frau nicht den Stellenwert wie in Deutschland hat. Ich befürchte, dass wir da als Helfer nicht wirklich weiter kommen. Schon gar nicht, wenn wir nicht dieselbe Sprache sprechen.

Mein Vorschlag ist, dass Du mit einem professionellen Asylsozialhelfer in Deiner Gegend Kontakt aufnimmst. Viele Landratsämter und auch manche Kommunen haben inzwischen solche Profis, die sich auch mit der aktuellen Gesetzeslage besser auskennen als wir Helfer und auch wissen, was die Konsequenzen einer NIchtintegration für die Asylsuchenden sind. So haben sie z.B. ohne gute Deutschkenntnisse keine Chance auf dem Arbeitsmarkt (Ausnahme englischsprechende Akademiker). Und die Asylsozialhelfer verfügen in der Regel über Dometscher, die dafür sorgen, dass "richtig" übersetzt wird.

Ja, das sind die Schattenseiten der Willkommenskultur. Und als aktiver Helfer frage ich mich, ob die von Dir genannten Leute wirklich in unser Land passen (werden). Oder nicht in ein Land ziehen sollten, wo ihre Werte gelebt werden. Vielleicht sollten wir Helfer unsere wertvolle Zeit lieber auf die fokussieren, die lernwillig sind, unsere Kultur respektiveren und im Prinzip integrationswillig sind. Was aucn noch für beide Seiten jede Menge Arbeit kostet.

Horst

schnelleelli
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Re: Hilfe?

Beitragvon schnelleelli » 17. Feb 2016, 11:45

Hallo Horst,
vielen Dank für Deine Antwort. Ja, du hast recht, ohne professionelle Hilfe kann und sollte man da nichts machen und darüber hinaus kultursensibel an die Sache herangehen, das ist mir auch bewusst.
Ob das Mädchen sich integrieren möchte oder nicht, kann man ja nicht mal sagen. Ich glaube, für sie ist es nicht schön, allein im Container zu sitzen, während alle anderen geschlossen zum Sprachkurs gehen. Dass sie Nachteile dadurch hat, ist dem Mann vermutlich recht egal. Wenn sie später nicht arbeiten darf (oder mangels Sprachkenntnissen nicht kann), kommt ihm das wahrscheinlich noch gelegen...

Na ja, ich versuche mal, mich schlau zu machen. Eventuell ist ja sogar noch das Jugendamt zuständig und ihre Ehe in Deutschland gar nicht gültig. Allerdings möchte ich auch so vorsichtig wie möglich vorgehen, um ihr nicht zu schaden und andere nicht zu verschrecken und mühsam aufgebaute Beziehungen wieder zu zerstören.

LG

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Bernhard
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Re: Hilfe?

Beitragvon Bernhard » 17. Feb 2016, 11:50

Hallo Elli,

vielleicht sollte man ihm mal klarmachen, dass - wenn er hier leben will - er sich schon an gewisse Regeln halten muss.
Dazu zählt hat auch, dass eine Frau selber entscheiden können muss und soll, was sie tut.
Abgesehen davon, wenn sie nicht "integrationswillig" ist, wird sie es schwer haben hier anerkannt zu werden. Und letztendlich ist er dann dran schuld.
Damit sollte man ihm schon mal drohen, auch wenn es wohl nicht viel helfen wird.

Andererseits kenne ich eine Familie aus dem Kosovo, die leben schon 20 Jahre hier und sie muss nach wie vor machen, was er sagt.

Schwer hier einen Rat zu geben. Hast Du denn das Gefühl, dass sie damit glücklich ist ? Es gibt ja auch Frauen, die das so wollen.

Viele Grüße
Bernhard

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Duke
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Re: Hilfe?

Beitragvon Duke » 17. Feb 2016, 15:03

horst.baumgarten hat geschrieben:Mein Vorschlag ist, dass Du mit einem professionellen Asylsozialhelfer in Deiner Gegend Kontakt aufnimmst.

Ich halte das für einen sehr klugen Vorschlag, weil
  1. Deine Deutschkurse sind gut, richtig und wichtig. Du kannst aber nicht alle Integrationsprobleme auf Deine Schultern laden. Selbstschutz ist angesagt.
  2. Ein 'Zuständiger' kennt qua Amtes am ehesten die Argumente, Tricks und Drohungen, die hier etwas bewirken könnten
  3. Du als Frau kannst bei dem Typen wahrscheinlich *überhaupt nichts* bewirken


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